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Was ist eigentlich der Browser für einer?

»Was für einen Browser benutzen Sie denn?«
»Browser? Keine Ahnung. Den, der dabei war halt.«

Dieser kurze Dialog spielt sich bis heute so oder so ähnlich des öfteren ab, meistens dann, wenn irgendetwas tatsächlich oder vermeintlich »nicht geht«. Theoretisch ist der Ahnungslose im Recht, ohne es zu ahnen, berührt er damit eine Grundidee des Webs, nämlich seine uneingeschränkte Funktionalität über Plattform- und Softwaregrenzen hinweg. Grau ist indes alle Theorie, die Praxis sieht leider ein wenig anders aus. Schauen wir aber zunächst mal, was es auf dem Browsermarkt so alles gibt:

Browserstatistik Juni 2005

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der Zugriffsstatistik einer beliebten Website, deren Besucherprofil weder als besonders computeraffin noch sonstwie spezifisch bezeichnet werden kann, das Ergebnis vermittelt also ein halbwegs repräsentatives Bild, Stand heute. Dass 77% der Besucher den Internet Explorer benutzen, dürfte wesentlich damit zusammenhängen, dass er »halt dabei war«. (Auf Macintosh-Systemen ist neben dem Explorer auch Safari dabei.) Die restlichen Besucher (immerhin fast jeder vierte) zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich bewusst für eine Alternative entschieden haben, ganz egal scheint es also nicht zu sein.

Wichtig ist, sich die Funktionsweise eines Browsers in groben Zügen klar zu machen. Wenn Sie eine Seite im Web aufrufen, richtet der Browser eine Anfrage an deren Heimatserver und bekommt eine Ladung Programmcode zurück, den er in ein mehr oder minder ansehnliches Bild übersetzt. Was Sie zu sehen bekommen, ist also immer das Ergebnis seiner Interpretation. Im Prinzip steht es jedem frei, seine Seiten so zu programmieren, wie er möchte, es gibt keine Codepolizei, die Verstöße ahndet. Anders herum kann auch der Hersteller seinen Browser so aufbauen, wie er will. Sie können sich leicht vorstellen, dass die Interpretationsleistungen sehr schnell ins Beliebige driften, wenn jeder macht, wonach ihm gerade der Sinn steht. Um dies zu verhindern, gibt es klare und eindeutige Standards, an die sich Seitenerzeuger und Browserhersteller im Idealfall halten, anders lässt sich die Forderung nach Plattformunabhängigkeit nicht erfüllen.

Die wichtigsten Spezifikationen betreffen die beiden Sprachen HTML und CSS. HTML kümmert sich – zumindest auf zeitgemäßen Websites – ausschließlich um Inhalte und deren Struktur, während CSS das Design der Seiten besorgt. Die Interpretationsregeln sind klar und eindeutig, sie werden vom W3-Konsortium (W3C) – einer übergreifenden Instanz – abgefasst und veröffentlicht. Vorstellen können sie sich das wie die Normierung einer Schraube. Eine M6-Schraube passt zuverlässig in eine M6-Mutter, weil Durchmesser, Steigungswinkel etc. klar definiert sind, und jeder Schraubenproduzent sich selbstverständlich daran hält. Nicht so die Browserhersteller, insbesondere die CSS-Regeln werden bis heute von keinem Hersteller zu 100% unterstützt. Während sich die Abweichungen bei den meisten aber auf zu vernachlässigende Details beschränken, kommt der Marktführer Microsoft mit seinem Explorer dem unbelasteten Freigeist schon sehr nahe, angesichts des vor wenigen Monaten noch bei über 90% liegenden Marktanteils genoss er eben lange Narrenfreiheit. Das können Sie sympathisch finden oder nicht, de facto nervt es gehörig und kostet Sie, wenn Sie eine Website in Auftrag geben, schlimmstenfalls eine Stange Geld.

Bei der Entwicklung einer Website geht man sinnvollerweise so vor, dass man sie standardkonform und fehlerfrei aufbaut, mit Referenzbrowsern und dem W3C-Validierungsservice überprüft und gegebenenfalls auftretende Fehler hernach beseitigt. Damit könnte der Job erledigt sein, gäbe es nicht den Explorer, der die Site in den meisten Fällen in eine Ruine verwandelt. Mit zahlreichen Umgehungsmethoden und »Hacks« sorgt man nun dafür, dass der Explorer erhält, was er verlangt, wobei gleichzeitig verhindert werden muss, dass standardkonforme Browser das so entstandene Gemurkse (man muss es leider so nennen) auch nur von weitem zu sehen bekommen.

Die Darstellungsfehler des Explorers folgen übrigens nicht mal eigenen Regeln, Fehler der Version 5 wurden in Version 6 vereinzelt beseitigt, dafür kamen neue hinzu, zudem verhält sich die Mac-Version fundamental anders als ihr Windows-Pendant. Alles in Allem ein enervierendes und zeitraubendes Puzzlespiel, bei größeren Projekten gehen alleine dafür schon mal Tage drauf, die Sie als Auftraggeber bezahlen (eine überschlägige Hochrechnung des volkswirtschaftlichen Gesamtschadens können Sie ja leicht selbst vornehmen).

Manche »Fachleute« argumentieren, dass »Standard« immer das wäre, was die meisten nehmen, und nicht das, was in irgendeinem Regelwerk steht. Die »Lösung« sieht folglich so aus, eine Website für den Explorer zu »optimieren«. Glauben Sie diesen Leuten kein Wort, mit solchen Methoden werden Sie Ihres Lebens nicht mehr froh, die nächste Explorerversion wird wieder mit neuen (womöglich sogar standardkonformen) Regeln aufwarten, spätestens dann wird Ihre »Optimierung« obsolet, abgesehen davon, dass Sie damit wie gesagt fast jeden vierten außen vor lassen.

Dass der Explorer auch noch ein hochklassiges Sicherheitsrisiko darstellt, in puncto Benutzungskomfort inzwischen von jedem Alternativbrowser deutlich in die Schranken gewiesen wird, dass er eine Entwicklungsbremse ist, deren angerichteter Schaden sich kaum noch in Zahlen ausdrücken lässt, sei an der Stelle nur kurz erwähnt. Es reicht, sich klar zu machen, dass er, selbst bei vorsichtigster Betrachtung, derzeit mit Abstand der schlechteste Browser ist, den Sie sich antun können. Leider wird er uns noch über Jahre begleiten, was einiges mit den eingangs erwähnten Ahnungslosen zu tun hat. Das einzige was bleibt, ist Microsoft zu zwingen, seine arrogante Monopolistenposition zu überdenken (was, wie es aussieht, derzeit passiert), indem möglichst viele Menschen den Explorer einfach nicht mehr benutzen. Genügend bessere Alternativen stehen zur Verfügung, die meisten von ihnen kostenlos.

Empfehlenswerte Browser

  • Firefox (Windows, MacOS X, Linux)
  • Mozilla Suite (Windows, MacOS X, Linux, Solaris, JDK)
  • Camino (MacOS X)
  • Opera (Windows, MacOS X, Linux, FreeBSD, Solaris, OS/2, QNX)
  • Netscape (Windows)
  • iCab (MacOS X, MacOS Classic)

Anmerkungen

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