Statistiktools, mit denen sich Besucherzahlen und -verhalten auf Websites auswerten lassen, sind eine feine Sache, zumindest theoretisch. Das Prinzip ist klar: Auf dem Server wird jede Bewegung unbestechlich und mit kühler Präzision in einem Logfile verzeichnet, der damit entstandene Informationswust muss jetzt nur noch interpretiert werden. Genau an der Stelle wird das Spiel allerdings ziemlich trügerisch, weil die Interpretationen unterschiedlichen Absichten folgen. Wer Dritte zur Bannerschaltung auf seiner Site bewegen will, dem können die Zugriffszahlen gar nicht hoch genug sein, von Page-Impressions im 6-stelligen Bereich ist mindestens die Rede, der Schaltwillige sieht sich tief beeindruckt. Wenn es in erster Linie darum geht, zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen, sollte die Auslegung eine wesentlich vorsichtigere sein.
Hellsehen kann kein Statistiktool, soviel ist sicher. Der Besucher wird lediglich in Form seiner IP-Adresse »identifiziert«, damit fängt das Ungefähre schon an: sind es mehrere Besucher mit der gleichen Adresse (z. B. Firmennetzwerk) oder ein einzelner, dessen IP-Adresse sich in raschen Zyklen dynamisch ändert, wie das bei den meisten großen Zugangsprovidern der Fall ist? Hinzu kommt, was sonst noch alles im Web kreucht und fleucht: unzählige Suchmaschinenbots, Referrerspammer, automatisierte Abrufe etc., die zwar alle unter »Besucher« laufen, dem Sitebetreiber aber herzlich wenig nützen. Standardlösungen wie der »Webalizer« helfen hier kaum weiter. Gezählt wird unterschiedslos alles und jedes, die Folge sind grotesk überzogene Zahlen, deren Auswertung zusätzlich erschwert wird, weil auch CSS-Files, ausgelagerte Skripte, Includes etc. einfließen und zwangsläufig die oberen Plätze der Pagerankings belegen.
Eine sehr gute Lösung ist der chCounter vom Schweizer Entwickler Christoph Bachner. Er arbeitet auf MySQL-/PHP-Basis und ist kostenlos erhältlich. Die Freude beginnt schon bei der Installation, die ausführlich und einfach nachvollziehbar erläutert wird. Das Datenpaket wird per FTP auf den Server geschoben, beim ersten Start des Administrationsbereichs werden die Benutzerdaten zur Einrichtung der MySQL-Tabellen abgefragt, alles vollkommen unproblematisch.
Als nächstes muss festgelegt werden, welche Seiten überhaupt gezählt werden. Dazu gibt es eine Einbindehilfe, die wahlweise ein Stück JavaScript oder PHP generiert, Letzteres ist dabei vorzuziehen. Der Code wird einfach in jede Seite kopiert, die mitgezählt werden soll. Wer mit ausgelagerten PHP-Includes arbeitet, ist hier deutlich im Vorteil, es reicht ohne weiteres aus, den Code an einer einzigen Stelle zu platzieren, die auf allen Seiten eingebunden wird (z. B. der Navigation). Wer will, kann sich eine oder mehrere statistische Angaben auch für Besucher sichtbar auf der Site ausgeben lassen.
Der Administrationsbereich bietet vielfältige Konfigurationsmöglichkeiten, mit denen zum einen die Ausgabe des Statistikteils gesteuert wird, zum anderen können z. B. Robots oder einmal identifizierte Referrerspammer ignoriert und eigene Zugriffe ausgeschlossen werden. Auch die eigentlichen Statistiken lassen keinen Wunsch unerfüllt, abgefragt wird alles, was greifbar ist: Seitenaufrufe, Referrer, Browser, Bildschirmauflösungen, Betriebssysteme etc. Im Gegensatz zum Webalizer wertet der chCounter die Logfiles nicht im 24-Stunden-Rhythmus aus, sondern arbeitet sozusagen live, man kann also sehen, was gerade jetzt im Moment auf der Site passiert. Zugriffszahlen bestimmter Seiten oder Referrer können nicht nur als absolute Hitliste angezeigt werden, sondern auch in der Reihenfolge des Erscheinens, was sehr aussagekräftige Auswertungen ermöglicht.
Um keine falschen Hoffnungen zu wecken: die reine Wahrheit bietet auch der chCounter nicht, dazu ist das Web zu undurchsichtig. Abhängig von der Konfiguration kommt er der Wahrheit aber weitaus näher als viele seiner Konkurrenten. Wer ein transparentes, rundum sympathisches Tool sucht, ist damit eindeutig gut bedient.