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Denkblatt Bauer Boger

Denkblatt Fritz Bauer / Wilhelm Boger, © Stiftung Geißstraße 7, Stuttgart

Was Sie hier sehen, ist das neueste, gerade eben getrocknete »Denkblatt«. Wir haben es gestaltet, herausgegeben wird es von Michael Kienzle und Dirk Mende im Rahmen der Reihe Denkblatt der Stiftung Geißstraße 7. Es ist 330 mm breit, 480 mm hoch, mit zwei Farben auf sehr ordentlichem, stabilem Papier gedruckt, und für einen einzigen schlappen Euro käuflich zu erwerben oder – sofern Sie trotz des eher unhandlichen Formats die elektronische Version bevorzugen – gratis als PDF herunterzuladen.

Das Denkblatt beschäftigt sich mit Fritz Bauer und Wilhelm Boger, zwei Männern, die ungefähr zur selben Zeit in Stuttgart geboren wurden und deren Nachnamen sich, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, nur geringfügig unterscheiden. Die Gemeinsamkeiten haben sich damit freilich erschöpft, gegensätzlicher wie die Biographien dieser beiden Männer verlaufen sind können Biographien nämlich kaum verlaufen. Mehr verraten dazu wollen wir an der Stelle ausdrücklich nicht, schließlich sollen Sie das Denkblatt lesen, dafür ist es ja da.

Falls Ihnen die Reihe Denkblatt nicht allzu viel oder gar nichts sagt, ist der gemeinsame Nenner der Blätter schnell erklärt: Sie erinnern an besondere Frauen und Männer, die in Stuttgart wirkten. Oder wie es die Herausgeber formulieren:

Die Denkblätter wollen so beitragen zur Beschreibung einer intellektuellen Topografie, in der die Landeshauptstadt immer irgendeine Rolle spielt. Sie rekonstruieren Biographien von Persönlichkeiten, die originell, widerständig, vorbildlich oder auch nur eigensinnig waren. Sie wollen anregen zum Lesen, zum Nachdenken, zum Überdenken und zuweilen sogar zum Gedenken.

Das erste Denkblatt erschien 1998 anlässlich des dreihundertsten Geburtstags des Finanzreformers Joseph Süß Oppenheimer, der 1738 aufgrund eines kruden Sammelsuriums angeblich begangener Delikte in Stuttgart hingerichtet wurde. Die sensationslüsternen Einblatt-Drucke, die zu jener Zeit massenhaft verkauft wurden, um die ohnehin schon brodelnde Stimmung bei öffentlichen Hinrichtungen vollends zum Überkochen zu bringen, dienten bewusst als formales Vorbild der Denkblätter, auch wenn deren Anliegen natürlich ein diametral entgegen gesetztes ist.

Inhaltlich erarbeitet werden sie übrigens seit Anbeginn von Unitext, einem Projekt des Instituts für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart, das seine Intentionen so beschreibt:

GeisteswissenschaftlerInnen auf eine selbstständige Publikationspraxis vorzubereiten: in den Bereichen wissenschaftlicher, kultureller, künstlerischer und journalistischer Dienstleistungen. Das Textbüro übt verantwortliches, selbstständiges und kooperatives Arbeiten, die genaue Recherche und das stilsichere Formulieren von Gebrauchstexten.

Damit die Texte am Ende auch noch ihre adäquate Form finden, kommen (ab und zu mal wechselnde) Designer ins Spiel, die jenseits inhaltlicher Aspekte sämtliche Freiheiten genießen, einzige Vorgaben sind das Format und die Beschränkung auf zwei Druckfarben. Dieses Mal wurden wir mit der Gestaltung betraut, und obwohl der Inhalt über weite Strecken eher deprimierend zu nennen ist, war die Arbeit an dem Blatt doch ein großes Vergnügen – nicht zuletzt des präzisen und äußerst sorgfältigen Zusammenspiels aller Beteiligten wegen.

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