Nur wenige wissen, dass eine unserer Spezialdisziplinen darin besteht, Illusionen platzen zu lassen wie Seifenblasen, mit einem sanften, fast tonlosen Plopp. Eine brotlose Kunst jedoch, wer mag schon pessimistisches Raunen vernehmen, während er sich ganz dem Jubel über kommende Verheißungen hingibt? So hätten wir der Telekom (besser gesagt, der damals zuständigen T-Abspaltung, fragen Sie nicht, welche das genau war) von Anfang an verbindlich zusichern können, dass ihre vollmundig angepriesene WAP-Technologie (ein hilfloser Versuch, das Internet mit Mobiltelefonen zu verheiraten) scheitern würde. Aber wie gesagt, hören wollte es keiner, und unsere Prophezeiungen wurden leider auch nie schriftlich fixiert. Damit uns das nicht noch einmal passiert, möchten wir heute, schriftlich und suchmaschinenoptimiert, also sozusagen hochoffiziell den nächsten Flop prophezeien: Web‘n‘Walk, das neueste Ding von T-Mobile. (Der bizarre Doppelapostroph stammt übrigens nicht von uns, nicht dass Sie meinen.)
Spiegel online meldet:
Die Telekom-Tochter T-Mobile treibt den Handy-Zugang zu E-Mail und Internet weiter voran. Das am Mittwoch in Bonn vorgestellte neue Produkt »web’n’walk« erlaubt im Gegensatz zum bisherigen WAP-Dienst Zugriff auf jede beliebige Seite im Internet, nicht nur auf spezielle, für die eingeschränkten Möglichkeiten des Handy-Bildschirms vereinfachte Portal-Seiten.
Ist das nicht schön? Drei geeignete Geräte bietet T-Mobile dafür:
Achten Sie bitte auf die Auflösungswerte. Falls Ihnen die nichts sagen, schauen Sie mal auf die folgende Fläche, das sind 240 x 160 Pixel:
Mit dem T-Mobile Sidekick werden Sie einen Ausschnitt in exakt dieser Größe sehen, den Bruchteil einer handelsüblichen Website also. Das MDA Compact verdoppelt zwar die Höhe, dennoch wird es immer noch eine böse Scrollerei nach allen Himmelsrichtungen werden, die Ihnen keinen rechten Spaß bereiten wird (abziehen dürfen Sie auch noch die Fläche, die von den Scrollbalken belegt wird). Die Aussage, jede beliebige Website könne so benutzt werden, ist in der Theorie zwar richtig, in der Praxis werden sich das allerdings nur die Hartgesottensten antun, zumal dieses zweifelhafte Vergnügen trotz des angekündigten Preissturzes absurd teuer erkauft werden muss (Kerntarif »Data 30«: 10,00 € für 30 MB Datentraffic).
Bis Ende 2006 peilt T-Mobile eine Kundenzahl “im hohen sechsstelligen Bereich” für das neue Angebot an.
Gut, anpeilen darf man, was immer man will, beim derzeitigen Stand der Dinge sind die Zahlen indes nicht im Ansatz realistisch. Die Websites, die sich für die Benutzung mit Mobiltelefon eignen, können Sie bis dato nämlich mit der Lupe suchen. Es ist zwar ohne weiteres möglich, eine Website so aufzubauen, dass ein sinnvoller, alternativer Zugang mit dem Handy schnell realisierbar ist (bei dieser hier wäre es z. B. in einigen Stunden erledigt), für den Löwenanteil kommerzieller Sites gilt dies allerdings nicht im Entferntesten. Und dass sich auf die Schnelle alle ins Zeug legen werden, um ihre Inhalte entsprechend aufzubereiten, glaubt nur, wer die Welt der für Internetangelegenheiten zuständigen Entscheidungsträger nicht so gut kennt.
Kurzum und klipp und klar, zum Mitschreiben: Web‘n‘Walk wird bis Ende 2006 keine Nutzerzahlen im hohen sechsstelligen Bereich haben. Spätestens Ende 2006 wird T-Mobile bekanntgeben, dass die Erwartungen nicht erfüllt wurden, die angeführten Gründe werden vielfältig sein, nur einräumen, dass es an gesundem Menschenverstand mangelte, wird niemand. Ende 2006 werden wir diesen Artikel dann aufgreifen, um uns – ganz ohne Häme natürlich – als frühe Visionäre zu profilieren. Da freuen wir uns schon heute drauf.