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Sehr geehrte Firstgate AG,

mit hohem Interesse haben wir Ihr aktuelles Angebot studiert, das Sie uns mit heutigem Datum übermittelt haben – angeblich »auf eigenen Wunsch« und dankenswerterweise »kostenlos«. Auch wenn wir Vorteilen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber stehen, wusste uns Ihre Offerte leider nur sehr begrenzt zu überzeugen.

Schon mit dem abgebildeten Prototypen des erfolgsverwöhnten Geschäftstreibenden können wir uns nur schwer identifizieren. Die zwei unmotivierten vertikalen Streifen würden wir noch verschmerzen, vermutlich haben Sie einen Prospekt eingescannt und es versäumt, die Falzkanten zu retuschieren. Wesentlich schwerer wiegt der Kragen, dessen Spitze darauf hindeutet, dass der Mann nervös an ihm kaut, wann immer es eng wird. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns von offenkundigen Neurotikern nicht angesprochen fühlen.

Was der Unterschied zwischen »Aurum« und »Gold« sein soll, müssen Sie uns bei Gelegenheit gesondert erläutern. Bislang galt ersteres als lateinische Bezeichnung des letzteren und wir sind zuversichtlich, dass sich daran auf absehbare Zeit wenig ändern wird. Hätten Sie stattdessen »Platinum« gewählt oder das beliebte »Premium«, wären Sie auf der sicheren Seite geblieben.

Das Wort »exklusiv« erscheint uns – mit Verlaub – ein wenig halbseiden. In aller Regel wird es immer dann eingesetzt, wenn ganz besonders minderwertige Artikel an den Mann gebracht werden sollen, für die sich beim besten Willen keine schlagenderen Verkaufsargumente finden lassen. Im Wortsinn bedeutet es übrigens »ausschließlich«, was Ihnen aber auch nicht hilft, da Sie Ihr Angebot ganz bestimmt jedem unterbreiten, der es wissen will oder nicht.

Und warum finden Sie es nötig, einen südkoreanischen MP3-Player beizulegen nebst dem 3-Monats-Abo eines von zwei vergleichsweise geistfreien Magazinen? Meinen Sie nicht, dass Ihre Kreditkarte damit an Überzeugungskraft verliert? Wenn Sie Zugaben für unabdingbar halten, warum nicht einen iPod und ein Jahresabo des Handelsblattes oder der FAZ? Schließlich reden wir nicht über Einsteigerkarten für wenig liquide Schichten, sondern das Aurum-Modell für gehobene Ansprüche.

Misstrauisch stimmt uns auch der verschämt vorgetragene Hinweis »(Abb. ähnlich)« am Ende des – übrigens zutiefst unanständigen – Blocksatzes in der blauen Box. Warum nur »ähnlich«, was dürfen wir uns darunter vorstellen? Wird das, was am Ende kommt, so »exklusiv« sein, dass Sie uns den Anblick nicht zumuten wollten?

Nicht einmal das verbreitete Schindluder mit dem Begriff »sparen« ersparen Sie uns im Begleittext. Einmal davon abgesehen, dass Ihre Rechentechnologie ein Maß an Konzentration erfordert, das wir nur auf dem Höhepunkt unserer Leistungskurve entwickeln, wird das Ganze auch dadurch nicht plausibler, dass es noch so oft wiederholt wird. Würden wir Ihrer Argumentation folgen, könnten wir uns morgen zur Ruhe setzen mit unseren Ersparnissen, indem wir heute noch entschlossen auf den Kauf von Luxusyachten, Immobilien und einer Oldtimer-Kollektion verzichten.

Wir bedauern sehr, dass wir Ihnen keinen positiveren Bescheid geben können – ganz unschuldig sind Sie daran freilich nicht. Gönnen Sie sich ein wenig Ruhe, finden Sie die nötige Besinnung und starten solcherart geläutert einen neuen Versuch. Wenn der auch nur geringfügig intelligenter ausfällt, sind wir gerne bereit, den Vorgang einer erneuten Prüfung zu unterziehen.

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