Journal

Ein kurzer Exkurs in die luftigen Höhen der Spitzenpolitik, in dessen Verlauf wir zu einigen höchst erstaunlichen Erkenntnissen in Sachen klarer Blick gelangen werden.
Stunden- und tagelang in Büchern herumlesen war gestern. Wer auf sich hält, hat weder Zeit noch Muße für solche wenig effizienten Tätigkeiten – zumal dann, wenn es in erster Linie darum geht, auf dem Smalltalk-Parkett zu glänzen. ShortBooks sind heute: Kurz, knapp, verträglich.
Was sich Herr EnBW unter »übersichtlich und leicht nachvollziehbar« vorstellt – man weiß es nicht. Damit es »schnell und unkompliziert« geht, hat er aber schon mal ein »portofreies Kuvert vorbereitet«. Ab dann bleibt leider nur noch Stirnrunzeln.
Nicht im ZDF und auch nicht präsentiert von Kerner, dennoch eine interessante Bestenliste. Bescheidwisser können eigene Vorlieben mit denen der Jury abgleichen und wer schon immer alles ignorierte, was nicht Arial hieß, der wird verblüfft feststellen, dass es außer ihr noch weitere Schriften gibt.

»EILIGE PRESSEPOST!«, schreit einem der Umschlag entgegen, und das am hellichten Vormittag! So eilig, dass man das Entgelt nur in Anführungszeichen bezahlen konnte vermutlich – anders lässt sich die eigenwillige Zeichensetzung kaum erklären. Was so dermaßen eilig ist? Die Dezember-Ausgabe (echt früh dran, Leute …) von »media & marketing«, einem der zahllosen Käseblätter, mit denen offenbar jeder jahrelang überschwemmt wird, der im weitesten Sinne unter »kreativ« läuft. Übrigens ohne dass man jemals darum gebeten, geschweige denn einen Abonnentenvertrag abgeschlossen hätte. Schon klar warum: einfach sein Heftchen allen schicken, die nicht gleich dagegen prozessieren, schon sind die Abonnentenzahlen eindrucksvoll und die Anzeigenpreise gehen nach oben. Dass es etwas Absurdes hat, die Dinger Monat für Monat durch die Republik zu befördern, nur um am Ziel den direkten Weg ins Altpapier zu nehmen – nun ja, was soll’s? Immerhin bewahrheitet sich die Goldene Regel, wonach der Inhalt meistens umso sinn- und belangloser ausfällt, je lauter das Geschrei gerät, mit dem er angepriesen wird.
Als kleine Konzentrationsübung schauen Sie sich bitte mal die folgenden vier Punkte an, von denen Sie einen ankreuzen sollen, besser gesagt müssen:

Hochinteressante Aspekte, gewiss. Aber würden Sie soweit gehen, einen von ihnen als Meinung bzw. Meinungsäußerung zu bezeichnen? Mal abgesehen vom letzten, der immerhin eine Willens- oder wenn Sie so wollen Unwillensbekundung repräsentiert. Und übrigens schon deshalb angekreuzt ist, weil keiner der drei genannten Sachverhalte zutrifft. Zufrieden gibt sich der Fragende damit allerdings noch lange nicht:

Schade, ja. Schade, dass es nur Multiple Choice gibt, die zudem nicht so multipel ausfällt, dass wenigstens Gründe wie »tiefsitzende Unzufriedenheit bis hin zur Blinddarmreizung« aufgeführt wären. Noch schader ist, dass absolut nirgends eine Telefonnummer zu finden ist, unter der man Fragen stellen könnte, die in den »FAQs« leider nicht gestellt und somit auch nicht beantwortet werden. (Geschweige denn, eine »Meinung zu äußern«.) Am allerschadesten sind aber die Zusicherungen, die schon sehr frappant dem notorischen (und stets folgenlosen) »Übt Kritik!« von Reformpädagogen der 70er-Jahre ähneln. Aber egal, merkt ja eh keiner.
Wieviel es ungefähr kostet, einen Kunden zu gewinnen, hängt von allem möglichen ab, zum Schnäppchenpreis bekommen Sie ihn jedenfalls fast nie. Umso absurder ist es, den eben gewonnenen Kunden augenblicklich wieder zu vergraulen, indem man ihm erst mal so richtig blöd kommt – was einige weniger Empfindliche mitnichten davon abhält.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, diese Binsenweisheit dürfte inzwischen sitzen. Was leider noch nicht sitzt, ist die Erkenntnis, dass viele Bildmotive eigentlich nur drei Worte sagen: Ideenarmut im Endstadium. Zur Pflege der Urteilskraft schauen wir uns die fünf traurigsten Vertreter dieser Gattung an.
Lesen Sie zwei, drei x-beliebige Aufsätze zum Thema E-Mail-Kommunikation, dann sind Sie versucht, im ganzen Leben keine mehr zu verschicken, weil es eigentlich nur in die Grütze gehen kann. Dabei wäre es viel interessanter zu erforschen, woher eigentlich dieser Drang kommt, noch die unbedeutendsten Nichtigkeiten zum hochbrisanten Problem zu stilisieren.
Falls Sie nicht ganz so verblödet sind wie wir, eine masochistische Ader und viel Sinn für abseitigen Humor haben, dann raten wir Ihnen zu einem Vertrag mit Arcor. Dort geht es so ähnlich zu wie bei der Telekom, Sie fühlen sich also bestimmmt gleich wie zuhause.