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Lecker CMS: Redaxo

Vor kurzem standen wir anlässlich eines Neukunden-Projekts vor der Frage, wie das Thema Redaktionssystem am besten gelöst wird. Klar war, dass es eines »von der Stange« werden sollte: schlank sollte es sein, flexibel und ausbaufähig, mehrsprachige Sites sollten sich ohne umständliche und halbgare Basteleien realisieren lassen und last but not least sollte es natürlich auch dem Kunden zumutbar sein – ein Aspekt, den manche System-Emtwickler leider mitunter aus den Augen verlieren, das ist aber wieder eine andere Geschichte.

Machen wir es kurz: die Site steht seit ein paar Tagen im Netz, bei dem besagten Neukunden handelt es sich um Natenco – einen der größten Anbieter von Windkraftanlagen in Deutschland – und als CMS kam letztendlich das Open-Source-System Redaxo zum Einsatz. Vorausgeschickt sei, dass wir das System zuvor zwar schon des öfteren ins Blickfeld gerückt hatten und einige Sympathie verspürten, es aber stets dabei blieb, konkrete Erfahrungen haben wir also nicht gesammelt. Ein schweres Versäumnis, wie wir inzwischen kapiert haben – spät, aber nicht zu spät.


Neu im Netz: die Natenco-Site

Bemerkenswert verlief bereits der Einstieg: die Version 4.0 war kurz zuvor erschienen und die Dokumentation alles andere als vollständig, was einiges Stirnrunzeln auslöste. Also versuchten wir den intuitiven Weg: System installieren, Demo-Datenbank einbauen und weitersehen. Ein Vorgang, der die Vorschuss-Sympathien ausnahmsweise einmal nicht zunichte machte, sondern ganz im Gegenteil deutlich intensivierte, weil selten war ein System schlüssiger und klarer strukturiert. Versprochen: wer MySQL/PHP-Kenntnisse besitzt, durchschaut den Aufbau in maximal einer Stunde, auch ohne Dokumentation (die inzwischen übrigens deutlich weiter fortgeschritten ist).

Screenshot Redaxo Strukturverwaltung
Aufgeräumt: Die Redaxo-Artikelverwaltung

Was Redaxo aber besonders auszeichnet, ist, dass es so gut wie nichts vorgibt. Eine Website wird in Kategorien unterteilt, jede Kategorie besteht aus mindestens einem Artikel, ein Artikel besteht aus einem oder mehreren »Blöcken« – dieses Strukturprinzip steht fest, alles andere ist variabel. Und oberklasse:

  • Die Ausgabe kann zu hundert Prozent kontrolliert werden, kein einziger Buchstaben des Quellcodes entzieht sich der Kontrolle. Bereits diese, an und für sich naheliegende Anforderung erfüllen nur sehr wenige Systeme.
  • Mehrsprachigkeit lässt sich mühelos umsetzen, selbst wenn mehr als zwei oder drei Sprachen zum Einsatz kommen.
  • Auch das Backend gibt nicht allzu viel vor. Zur Verwaltung der Inhalte kommen sog. »Module« zum Einsatz, die aus einem Eingabe- und Ausgabeteil bestehen. Diese Module kann man sich komplett selber aufbauen, oder man greift auf Module zurück, die in großer Zahl verfügbar sind und entweder per Copy & Paste übernommen werden oder relativ einfach für eigene Bedürfnisse modifiziert werden können, weil sie letztlich nur aus HTML und PHP bestehen. Der Kunde arbeitet also genau mit den Werkzeugen, die wir für ihn aufbauen und profitiert davon, dass sie auf ihn zugeschnitten und eben nicht standardisiert sind.
  • Die Ausgabe wird mit Templates geregelt, von denen beliebig viele zum Einsatz kommen können, theoretisch kann jeder Artikel in sein eigenes Template eingebettet werden. Ein Template kann dabei sowohl die komplette Seite beinhalten als auch lediglich Baustein für ein übergeordnetes Template sein.
  • Funktionserweiterungen werden mit sog. »Add-Ons« ermöglicht, einer Entsprechung zu dem, was bei anderen System oft »Plug-in« genannt wird. Einige davon werden bereits mit der Installation geliefert, andere werden von Dritten angeboten und selbstverständlich steht es jedem frei, sich selber welche zu entwickeln, schließlich handelt es sich auch hierbei mitnichten um Hexenwerk. Ein schon nachgerade geniales Basis-Add-On nennt sich »Meta Infos« und erlaubt die beliebige Anpassung von Artikelstrukturen an eigene Bedürfnisse – damit lassen sich in der Praxis viele individuelle Anforderungen wunderbar einfach lösen.
  • Auffällig gut gemacht ist auch der Medien-Pool, also die Verwaltung von Bildern, Filmen, Download-Materialen etc. Besonderes Bonbon: die Synchronisation von Daten die nicht via CMS auf den Server gelangt sind, sondern mit dem FTP-Client hochgeschafft wurden.

Jetzt sind wir ja nicht bekannt dafür, allzu viel zu loben, insofern warten vielleicht einige bereits sehnsüchtig auf Nörgeleien. Falls ja, war die Warterei weitgehend vergebens, weil es – erstaunlich genug – kaum Grund zur Klage gibt:

  • Die Benutzerverwaltung mag dem einen oder anderen zu popelig sein, allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass es in puncto Benutzerhierarchien bei manchen Firmen und/oder Organisationen weniger um Praxisnähe geht als die tägliche Vergewisserung der eigenen Position innerhalb einer wie auch immer gelagerten Rangordnung. Soll heißen: meistens ginge es auch eine Nummer kleiner als A kontrolliert B, nachdem er von C die Freigabe erhalten hat, der wiederum D verpflichtet ist etc. In 99 von 100 Fällen wird man mit den Möglichkeiten von Redaxo klarkommen.
  • Eine Volltextsuche umzusetzen ist zwar möglich, allerdings können weder der Weg noch das Ergebnis so recht überzeugen. Die gute Nachricht ist, dass das Thema in der vor einigen Tagen erschienenen Version 4.1 wohl einige Aufmerksamkeit erfahren hat: nach allem was man hört (aber noch nicht geprüft hat) soll dieser Wermutstropfen Vergangenheit sein.

Bei Open-Source-Projekte nie zu unterschätzen ist der Community-Faktor und mithin die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass man in vertretbarer Zeit weiterkommt, wenn man doch mal an einem Problem festhängt. Dass der schiere Umfang einer solchen Gemeinde kein Qualitätsmerkmal ist, dürfte so gut wie jeder schon gemerkt haben, wenn er sich in Foren herumdrückte, wo ihm zwar eisige Zurechtweisungen entgegen wehten, aber eben keine Hilfe. Die Redaxo-Gemeinde ist in dieser Hinsicht vorbildlich zu nennen: nicht nur, dass ein insgesamt höchst kooperatives Klima herrscht, ist auch der Entwicklerstab ausgesprochen zugänglich und hilfsbereit. Ein paar Hänger, die wir zu Beginn in Detailfragen hatten, waren alle in wenigen Stunden vom Tisch.

Alles in allem müsste es also schon mit dem Teufel zugehen, wenn Redaxo bei uns in Zukunft keine feste Größe sein würde.

Ein paar Links dazu

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