Das Thema Datensynchronisation bleibt nach wie vor spannend: Für die meisten, die mehr als einen Rechner benutzen ist es von zentraler Wichtigkeit, gleichzeitig gibt es offenbar bei vielen Softwaren-Entwicklern kaum einen Aspekt, der stiefmütterlicher behandelt wird. Einige wenige Programme erlauben den Abgleich über einen eigenen Web-Server (z. B. die Firefox-Erweiterung Foxmarks, die wir hier schon mal vorgestellt haben oder der RSS-Reader NetNewsWire, der diese Art der Synchronisation mit Bordmitteln erlaubt), andere – etwa die Apple-eigenen Tools Adressbuch und iCal – bieten ungefähr dasselbe in grün, setzen dafür aber einen kostenpflichtigen .Mac-Account voraus. Mal davon abgesehen, dass ein .Mac-Account außer dieser Sync-Funktion absolut nichts bietet, was unsereins brauchen könnte und man schon nettere Anwandlungen erlebt hat, als den Funktionsumfang von Software so zu beschneiden, dass sie nur vollständig zu gebrauchen ist, wenn man laufende Kosten dafür entrichtet, ist die Vorstellung, Adressdaten von Kunden o. ä. bei seinem US-amerikanischen Computerhersteller zu deponieren, schon auch ein wenig bizarr, nicht?
Eine Lösung, die in vielen Fällen gar nicht mal blöd sein muss, sind Portable Apps, sinngemäß übersetzt also transportable Programme. Die Bezeichnung ist dabei insofern etwas irreführend, als das Programm selbst nicht transportiert wird, sondern lediglich die zugrunde liegende Datenbank, aus der das Programm schöpft. Schauen wir uns das Ganze mal am Beispiel Apple-Adressbuch an:
Der Normalzustand sieht so aus, dass das Adressbuch im Verzeichnis Programme liegt, und auf die (externen) Inhalte des Verzeichnisses ~/Library/Application Support/AddressBook zugreift, wo die Adressdaten gespeichert sind. Außerdem im Spiel ist ~/Library/Preferences/com.apple.AddressBook.plist. Liegen diese externen Daten nicht am vorgesehenen Platz, werden sie beim Programmstart neu angelegt, das Adressbuch erscheint also leer und ist mit werkseitigen Einstellungen versehen – das Programm besteht sozusagen auf einer korrekten Lagerhaltung.
Portable Apps tun zweierlei. Äußerlich sehen sie aus wie ein Programm, wer aber genau hinsieht, stellt fest, dass sie nur wenige kB groß sind, allzu viel Programm kann demnach nicht drin sein. Tatsächlich bestehen sie im Wesentlichen aus Shell-Scripts, die beim Starten das Ursprungsprogramm aufrufen (das demzufolge unangetastet installiert sein muss) und ihm einen veränderten Lagerplatz für die externen Daten mitteilen, nämlich sich selbst, besser gesagt das Paket in dem sie sich befinden.
In der Praxis wird – um im Beispiel zu bleiben – das transportable Adressbuch z. B. auf einem USB-Stick platziert und aufgerufen. Beim ersten Start kann man die Datenbestände auf den Stick kopieren, aus denen sich das Adressbuch ab sofort immer dann bedient, wenn man es vom Stick aus aufruft, wenn nicht, greift es in Ermangelung eines anders lautenden Scripts auf seinen angestammten Lagerplatz zu. Logischerweise kann das Adressbuch also immer nur entweder stationär oder transportabel aufgerufen werden, nicht auf beide Arten zugleich – unterm Strich läuft ja immer dasselbe Programm, nur eben zu veränderten Bedingungen.
Worum es sich beim transportablen Datenträger handelt, ist aus Sicht des Programms egal, nur beschreibbar muss er natürlich sein. In der Regel wird es wohl auf den superkompakten USB-Stick hinauslaufen (mit USB 2.0 zumindest sind kaum bis keine Geschwindigkeitseinbußen spürbar), denkbar ist aber genau so gut auch ein iPod oder eine externe (Firewire-)Minifestplatte. Transportable Programme sind mittlerweile eine ganze Menge zu haben, eine aktuelle Download-Liste gibt es hier. Kosten tun die Pakete zwar nichts, allerdings müssen Sie pro Programm mindestens (maßvolle) 0,99$ »spenden« – wer hier einwendet, dass eine »Spende« immer auf Freiwilligkeit beruht, weil es sich sonst allenfalls um einen Euphemismus für »Gebühr« handelt, der hat natürlich vollkommen recht, was die Portable Apps aber keinesfalls schlechter macht.