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Scheitern an Bagatellen

Ob Sie zu den Leuten gehören, die rastlos um die Welt jetten oder wie wir lediglich an mehreren Rechnern arbeiten, die sich auf verschiedene Plätze verteilen: mit digitalem Informationsmanagement haben Sie so gut wie sicher zu tun. Ob es eher zum Lachen oder Weinen reizt, steht noch nicht ganz fest, klar ist nur, dass es oft alles andere als befriedigend gelöst ist.

An Beispielen besteht wahrlich kein Mangel. Exportieren Sie auf dem Mac einen Adressbucheintrag aus MS Entourage als .vcf-Datei, ist es gut möglich, dass Ihr Windows-Outlook keine Ahnung hat, worum es sich dabei auch nur näherungsweise handeln könnte. Benutzen Sie Apples iCal auf mehreren Rechnern, führen Sie lauter unabhängige Einzelkalender, oder Sie buchen einen kostenpflichtigen .Mac-Account, mit dem Sie die Einträge synchronisieren können, sonst bleibt nur, die Datenbank oder einzelne Einträge von Hand hin und her zu schaufeln. Und ein Siemens-Handy, an dem es eigentlich nicht das Geringste auszusetzen gibt, versteht sich, was seine Adressdatenbank anbelangt, ausschließlich mit sich selbst und der mitgelieferten, proprietären Windows-Software, die Ihnen wenigstens das Eintippen von Adressen via Handytastatur erspart.

Meine Herrn, kann man da nur sagen. Wir reden hier über Daten, deren Struktur sich kaum noch primitiver denken lässt. Öffnen Sie spaßeshalber mal eine .vcf-Datei mit dem Texteditor: ein paar Textfelder, die mit Einträgen versehen sind, mehr ist es nicht. Dasselbe gilt auch für Kalendereinträge und Handy-Telefonbücher, warum man daran scheitern muss, bleibt eines der letzten ungelüfteten Geheimnisse in Zeiten, da der digitale Videoschnitt selbst Laien kaum vor Probleme stellt, oder Sie mit dem Handy Ihren Computer anrufen können, um sich via iTunes ein Lied vorspielen zu lassen.

Das jüngste Beispiel ist unser gestriger Versuch, zu einer befriedigenden Bookmark-Synchronisation zu gelangen. Die Anforderung ist leicht nachzuvollziehen: Bei mehreren hundert Quellen, auf die wir regelmäßig oder gelegentlich zugreifen, ist eine gute Organisation der Lesezeichen unabdingbar, sonst besteht der Tag bald nur noch aus Ratespielen. Zwar bietet heute jeder Browser mindestens ausreichende Funktionen dafür, die Verwaltung der Bookmarks ist aber – ungeachtet der Import-/Exportoptionen – ein eigenbrötlerischer Vorgang. Erst vor einigen Tagen wurde uns dies unsanft verdeutlicht, als einer der installierten Firefox-Browser seine Bookmarks über Nacht verloren hatte, und zwar restlos, auch das automatisch angelegte Backup zeigte nichts als gähnende Leere.

Groß im Kommen sind Online-Bookmarkverwaltungen wie etwa furl, spurl oder del.icio.us., die sich dem »Social Bookmarking« verschrieben haben. Das Prinzip ist einfach: Die Listen werden in einem Online-Account verwaltet, sind wahlweise oder gezwungenermaßen auch für andere einsehbar, und stehen an jedem Punkt der Welt zur Verfügung, weil sie vom Browser losgelöst sind. Zwar gibt es auch Möglichkeiten, die Onlinelisten mit dem Browser in Verbindung zu bringen, überzeugen wollte uns hier aber keine so recht, der Schwerpunkt liegt eindeutig in der Online-Verwaltung, mit Synchronisation hat das Ganze nur am Rand zu tun. Ohnehin sind wir am Social Bookmarking kaum interessiert, die tägliche Informationsflut ist uns schon genug, sodass uns wenig ferner liegt als der Wunsch, auch noch die Listen fremder Menschen abzuarbeiten.

Konzeptionell am besten gefallen hat uns die Firefox-Extension Bookmarks Synchonizer. Falls ein FTP-Zugang zu einem Webserver besteht, ist ihre Arbeitsweise nahezu ideal: Die Bookmarks werden in einem XML-File gespeichert und per FTP auf den Server geladen, von wo sie auf Wunsch auch jederzeit wieder eingelesen werden können. Der Clou ist, dass sich der Ablauf auch automatisieren lässt, also der Browser beim Öffnen den aktuellen Stand einliest und beim Schließen wieder auf den Server schiebt. Den kleinen Schönheitsfehler, dass beim Upload keinerlei Abgleich stattfindet, sondern das alte File in jedem Fall kommentarlos überschrieben wird, könnten wir noch verschmerzen. Wesentlich schwerer wiegt, dass das Ganze sich in Ankündigungen erschöpft, weil die Extension – zumindest bei uns auf Firefox 1.0.4 – schlichtweg nicht funktioniert.

Nach einigem Stöbern sind wir noch auf eine Alternative namens Syncmarks gestoßen, deren Wirkungsweise im Wesentlichen dieselbe ist, zudem werden noch weitere Exportoptionen offeriert. Leider ließ auch sie sich nicht dazu bewegen, ihre Versprechen einzulösen, dazu vergisst sie auch noch ständig die Serverdaten.

Ebenfalls als ungeeignet erwies sich die Mischlösung Chipmark. Hier werden die Bookmarks zunächst auf einen eigens angelegten Account geladen, dazu gibt es eine Firefox-Extension, mit der dieser sich angeblich »managen« lässt, ein in Wahrheit enervierendes Spiel, bei dem man bald die Geduld verliert. Im Browser erscheint nun ein paralleles Chipmark-Menü, mit dem sich die auf dem Server gespeicherten Bookmarks auch direkt aufrufen lassen. Wem das doppelte Gemoppele nicht so gut gefällt, kann das hauseigene Lesezeichenmenü laut Anbieter auch ausblenden, was bei uns wiederum nicht funktioniert. Aus unerfindlichen Gründen erzeugt die Extension auch noch einen überbreiten und vollkommen sinnlosen grauen Rand am im oberen Browserbereich, sodass wir auch ihr die rote Karte zeigen mussten.

Ergebnis nach mehreren Stunden Gefummel und dem Anlegen zahlloser Test-Accounts bei diversen Anbietern: keines. Nichts. Jedenfalls nichts, was uns irgendwie weiterbrächte. Auch wenn es schwer fällt zu glauben, dass man vor einer banalen Datenstruktur wie Bookmarks, die aus nicht mehr als einem URL, einer Bezeichnung und einer einfachen hierarchischen Zuordnung bestehen, kapitulieren muss. Vielleicht als kleiner Anreiz: der Erste, der das Problem zufriedenstellend löst, erhält von uns eine Tapferkeitsmedaille auf bordeauxrotem Samtkissen, versprochen!

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