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Todesfalle E-Mail

Im vermutlich zwanzigtausendsten Artikel zum Thema E-Mail-Kommunikation wird uns zum ebenfalls zwanzigtausendsten Mal erklärt, dass E-Mails schreiben wahnsinnig heikel sei, weil man sich schließlich weder leibhaftig gegenüber sitzt noch die jeweilige Tonlage des Korrespondenzpartners vernimmt, die einem einzuordnen hilft, wie das Gesagte wohl gemeint sein mag. Die Folgen: Missverständnisse, Ärger, Frustration bis hin zum Abbruch der Beziehungen.

Wenn so viele Abhandlungen ins selbe Horn tuten, wird schon was dran sein, sollte man meinen. Ängstliche Gemüter sichern sich also vorsorglich ab, indem sie E-Mails mit vielen Grinsegesichtern schmücken ;-) damit jeder sofort erkennt: ACHTUNG: IRONIEALARM (wahlweise gehen natürlich auch die eher insiderhaften Varianten *g*, *lach* oder *lol*). Für Pubertierende mag das eine angemessene Methode sein, falls Sie eine seriöse Geschäftstätigkeit im Blick haben, könnte sie freilich eher befremdend wirken. Also was tun?

Locker machen zum Beispiel. Sich mal wieder daran erinnern, dass schon einige Zeit vor Erfindung der E-Mail schriftlich kommuniziert wurde, das Ganze nannte sich »Brief«, mitunter sogar »Epistel«, wenn es etwas literarischer sein durfte. Wie viele dieser Briefe im Lauf der Jahrhunderte insgesamt durch die Welt geschickt wurden, weiß wahrscheinlich keiner so genau, sicher ist aber, dass sich darunter so ungefähr alles finden lässt, was schriftlich ausgedrückt werden kann, ungelenke Ablaufschilderungen ebenso wie diffizilste Doppel- und Dreifachbödigkeiten. Hat es dafür jemals ein :=O gebraucht? Mussten zwanzigtausend Artikel geschrieben werden, die einem erklärten, dass man es besser sein lässt mit dem Briefschreiben, wenn man es sich nicht mit allen verscherzen will, weil Missverständnisse vorprogrammiert sind?

Dass Kommunikation mit allerlei Fallen gespickt ist, stellt ja niemand ernsthaft in Frage, dass es ein spezifisches E-Mail-Phänomen sein soll, kann indessen getrost bezweifelt werden. Allmählich zu verkrampfen, vor lauter Sorge, das Gegenüber könnte etwas in den falschen Hals bekommen, dürfte die zwischenmenschlichen Beziehungen auf Dauer weitaus mehr belasten, als das eine oder andere nicht ganz ernst gemeinte Wort, das nicht so rüberkommt, wie es gemeint war. Was Ihnen am Tresen bekanntlich genau so passieren kann, auch wenn sie heiter dazu strahlen. Also noch mal: Locker machen, alles andere ist Käse.

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