6B Logo

Vektor und Bitmap - zwei ungleiche Brüder

Was nicht selten ansteht: Wir gestalten eine Drucksache, die unter anderem eine Ansammlung verschiedener Logos enthält (Kooperationspartner, Sponsoren o. ä.). Eigentlich kein Problem – man nimmt Kontakt mit den jeweiligen Firmen oder Institutionen auf, lässt sich die Dinger zuschicken und baut sie ein. In der Praxis ist es leider nicht so einfach. Was wir erhalten, ist zwar gut gemeint, aber trotz unserer klar formulierten Anforderungen in den meisten Fällen unbrauchbar. Winzige Gif-Bildchen, die man von der Website heruntergezogen hat, jpg-Bilder unterschiedlicher Qualität, ganz Unerschrockene legen auch einfach den Briefbogen aufs Fax. Die Rückmeldung, doch bitte eine Vektorgrafik zu schicken, vorzugsweise im eps-Format, führt in der Regel dazu, dass eine Stunde später dasselbe jpg-Bild kommt, nur dass es zwischenzeitlich in Photoshop geöffnet und als eps-Datei abgespeichert wurde. Warum das alles nicht so toll ist, haben wir im Lauf der Jahre sicher schon ein paar hundert Mal erklärt, in Zukunft würden wir gern nur noch einen Link hierher schicken, in der Hoffnung, dass die Lektüre der folgenden Ausführungen finale Klarheit schafft.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Bitmap- und Vektorgrafik. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht: eine Bitmapgrafik ist ein Raster aus quadratischen Bildpunkten (z. B. ein Bild aus Ihrer Digitalkamera), von denen jeder eine bestimmte Farbe hat, mehr steckt nicht drin. Vergrößert man die Grafik, werden die Bildpunkte eben größer, verkleinert man sie, werden sie kleiner. (Die Bildpunkte heißen auch Pixel, drum nennt man Bitmap- mitunter auch Pixelgrafiken.) Eine Vektorgrafik ist hingegen eine mathematische Beschreibung von Linien oder Kurven, wie mancher sie noch aus dem Geometrieunterricht kennt. Im Fall der Logos ahnen Sie vielleicht schon, wo das Problem liegt: die meisten Logos bestehen mehr oder weniger aus Kurven, während sich ein Quadratraster mit Kurven eher schwer tut. Nehmen wir zur Veranschaulichung das bekannte Signet der S-Bahn:

Vektor- vs. Bitmapgrafik

Links eine Vektorfassung, bei der wir die Konturen und Kurvenpunkte sichtbar gemacht haben, rechts die Entsprechung als Bitmap. Zugegeben, der Unterschied ist allenfalls zu erahnen. Vergrößern wir das Ganze, wird es schon klarer:

Vergrößerung Bitmapgrafik

Die angebliche Kurve entpuppt sich als arges Treppengebilde, die Rundungen werden vorgegaukelt, indem die Treppenfarbe allmählich von Vorder- zu Hintergrundfarbe übergeht. Im Gegensatz dazu die Vektorfassung:

Vergrößerung Vektorgrafik

Schön rund, so soll es sein. Im Gegensatz zur Bitmap- könnten wir die Vektorgrafik auch auf Fassadengröße aufblasen, ohne dass sich an der Kurve das geringste ändern würde, sie ist absolut unabhängig von ihrer jeweiligen Größe.

Die Konsequenz für den Druck hängt vom Einzelfall ab. Manche Logos sind in bestimmten Fällen zwar auch als Bitmapgrafik zu verwenden, meist ist das Ergebnis allerdings lausig. Ein Hauptproblem ist die im Regelfall nötige Größenanpassung: Beim Vergrößern werden die Konturen schummrig, beim Verkleinern schmieren sie zu, das Possenspiel mit den angeblichen Kurven rächt sich also spätestens jetzt.

Bei den geschilderten Logosammlungen sind darüber hinaus fast immer auch Farbanpassungen gefordert. Während sich Vektorkurven mühelos isolieren und in vorgegebene Rahmenbedingungen, Farbmodelle oder Hintergründe integrieren lassen, ist das bei vielen Bitmaps erheblich schwieriger (bis nahezu unmöglich), weil sie sozusagen eine einzige Farbsuppe bilden, die man pixelweise einfärben muss.

Der elementare Merksatz lautet also:
Wenn Logo, dann Vektor. Und nicht Bitmap!

Stellt sich als nächstes die Frage, wie Sie den Unterschied erkennen. Leider ist das für Laien nicht so einfach. Ein Indiz kann die Dateiendung sein: .tif, .gif, .jpg, .bmp oder .png sind schon mal hundertprozentig Bitmaps, .svg, .ai, .cdr, .fhd sind eindeutige Vektorformate. Nicht eindeutig sind Photoshop-Dateien mit der Endung .psd: Wahrscheinlich sind es Bitmaps, Photoshop kann aber auch Vektordaten verarbeiten. Ganz verwirrend ist das eps-Format – es ist zwar das klassische Vektor-Austauschformat schlechthin, allerdings können Sie mit Photoshop z. B. jede Bitmapgrafik auch im eps-Format abspeichern, was sie freilich nicht zur Vektorgrafik macht. Falls Sie ein (Vektor-)Grafikprogramm wie Illustrator, Freehand oder Corel Draw benutzen, dann versuchen Sie, die fragliche Datei damit zu öffnen. Lassen sich die Konturen bearbeiten, handelt es sich um eine Vektorgrafik, wenn die Grafik als sturer Block auf der Seite pappt, dann nicht.

Um trickreiche Ideen gar nicht erst aufkommen zu lassen: Sie können aus einer Bitmap- keine Vektorgrafik machen. Dieser Weg bedeutet immer, die Konturen nachzuzeichnen. Es gibt Programme, die so etwas leidlich bewerkstelligen, die hat aber kaum jemand in Gebrauch, zudem reißen einen die Resultate so gut wie nie vom Hocker. (Anders herum ist es kein Problem, was uns hier aber nicht weiter führt.)

Übrigens sind wir der Meinung, dass es nicht Aufgabe von Presse-, Marketing- oder anderen Mitarbeitern sein kann, mit Grafiken zu hantieren, wenn Fachkenntnisse fehlen. Gesetzt den Fall, Sie arbeiten in einer Firma oder Institution, die nicht gerade mit selbstgemalten Visitenkarten operiert, dann gibt es ganz sicher irgendwo das ganze Material in vektorisierter Form – bei der betreuenden Agentur, der Druckerei oder wo auch immer. Eine gute Agentur überlässt dem Kunden ein Paket, das er bei Anforderung nur weiter zu schicken braucht (oder sie kümmert sich im Bedarfsfall selbst drum), darin enthalten sind sämtliche (vektorisierten) Logo-Elemente für verschiedene Anwendungen: Vierfarb-, Graustufen-, Sonderfarbendruck, Bildschirm. Sofern Sie dafür zuständig sind, Anfragen nach Logos etc. zu beantworten, dann bestehen Sie auf ein solches Paket zum unproblematischen Weiterreichen. Sie erleichtern sich Ihren Alltag damit genau so wie unseren bzw. den unserer Kollegen.

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