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Guten Tag Herr EnBW,

KUNDENSERVICE wird bei uns groß geschrieben. Und damit wir ihn noch weiter verbessern können, bitten wir Sie um Mithilfe: Überprüfen Sie auf dem beiliegenden Formular Ihre Daten und korrigieren Sie – falls nötig.

schreiben Sie dankenswerterweise. Und stellen 222 Atlanten in Aussicht, die als Belohnung fürs Ausfüllen des besagten Formulars winken. Schon weil wir wahnsinnig scharf auf einen Atlas sind, wollten wir Ihrer Aufforderung sogleich nachkommen und haben die Daten wie gewünscht überprüft, mussten dabei aber leider zum Schluss gelangen, dass Ihr Formular unsere Auffassungsgabe übersteigt:

Formular EnBW

Klicken Sie ruhig mal rein in die Abbildung, dann wird sie größer. Wenn Sie schon dabei sind, dann achten Sie doch zunächst mal auf die beiden Zeilen nach dem Titel. Vorname/Firma oder Rechtsform lautet die erste, Nachname/Firma oder Rechtsform die zweite. Haben Sie das? Okay, dann stellen Sie sich bitte mal eine Firma vor, die, sagen wir: Deutsche Telekom heißt, die Rechtsform AG besitzt und einen Mitarbeiter namens Klaus Mustermann zur Energieerhaltung eingeteilt hat. Dem armen Herrn Mustermann bleiben nach Ihrer Logik genau zwei Möglichkeiten:

Klaus
Deutsche Telekom AG

oder

Deutsche Telekom AG
Mustermann

So weit, so gut. Jetzt kommt allerdings der doofe Computer ins Spiel. Der leider nicht unterscheiden kann, was in diesem Kuddelmuddel eigentlich was ist, und vorsichtshalber pauschal vom Muster Vorname Nachname ausgeht. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Was sich natürlich allemal noch steigern lässt:

Dabei hat man es Ihnen schon bestimmt zehn Mal gesagt in den letzten Jahren, zuletzt als handschriftlicher Vermerk auf der Karte mit dem Zählerstand – noch keine zwei Wochen ist das her. »Wir werden es umgehend korrigieren«, haben Sie unzählige Male beteuert, ohne dass in der Sache je Bewegung erkennbar gewesen wäre. Kein Wunder bei dem Formular. Statt Ihren Formularverantwortlichen Maßnahmen zu befehlen, die dem doofen Computer ermöglichen, Ihre Kunden so anzureden, wie das in der westlichen Hemisphäre gebräuchlich ist, besteht die einzige Anpassungsleistung darin, dass Sie sich der in letzter Zeit grassierenden Unsitte anschließen, für die Hausnummer eine eigene Zeile zu reservieren. Keine Ahnung wozu, vielleicht um die Datenbank ab und zu nach Hausnummern zu filtern? (»So, heute schauen wir mal, wer alles irgendwie in Hausnummer 20 wohnt!«)

Weiterhin an Ihre Einsicht zu appellieren, ist vermutlich sinnlos. Korrekt ausfüllen ist nicht möglich, andererseits werden Sie hoffentlich nicht erwarten, dass wir diesen Unsinn auch noch schriftlich bestätigen. Ohnehin gilt: solange hier irgendeine Art von Strom aus den Steckdosen kommt, kann uns Ihr Datenbankverhau ja egal sein. Nur dass wir im Spiel um den Atlas draußen sind, das ist schon superärgerlich.

Anmerkungen

  1. #1 | Jens-Christof Niemeyer | 16.03.07, 15:37

    Mein Erklärungsversuch zum Ursprung dieser um sich greifenden separaten Erfassung der Hausnummer ist: So kann man die Daten leichter an andere Dienstleister übergeben, etwa an solche, die glauben, die Wahrscheinlichkeit eines Forderungsausfalls berechnen zu können.

    Dann sprechen Computer mit Computern und sagen – sinngemäß – Dinge wie: “An Leute im Haus Nr. 21 kann man Ware schicken, aber in Nr. 20, wohnen nur Gauner und Halunken, dahin würde ich nicht mal per Vorkasse liefern”. Pech, wenn die Nachbarn nicht durchschaut haben, dass sie die Raten ihrer Verbraucherkredite für den Flachbildfernseher und die Surround-Anlage auch bezahlen müssen.

  2. #2 | Ralf Schmid | 16.03.07, 16:13

    Okay, Jens, das ist ja schon mal ein interessanter Ansatz. Nur: Braucht es dafür partout ein eigenes Feld? Ist man z. B. in der Lessingstraße 20 schon deshalb verdächtig, weil sowohl in der Schiller- als auch der Hölderlinstraße 20 lauter – bonitätstechnisch gesehen – unsichere Kantonisten wohnen? Und folglich die Vemutung naheliegt, die Hausnummer 20 wäre extrem beliebt bei solchen Subjekten?

  3. #3 | Jens-Christof Niemeyer | 17.03.07, 11:43

    Ich gehe zugunsten der Datensammler davon aus, dass die Hausnummer nur in Verbindung mit der jeweils angegebenen Straße überprüft wird. Weil ein Normaldenkender jetzt einwenden müsste, dass die Hausnummer doch auch irgendwie aus der Angabe “Sackgasse 20” ermittelbar sein sollte und es nicht der Angaben “Sackgasse” UND “20” bedürfen dürfte, ergänze ich meinen Erklärungsansatz noch um die Vermutung, dass Leute, die sich eine Bonitätsbewertung einer Person aufgrund der Zahlungsmoral der Nachbarn anmaßen, vielleicht einen kleinen Sprung in der Schüssel haben. Oder so.

  4. #4 | jakob | 17.03.07, 16:55

    Wenn der Energiekonzern international tätig ist und sammelt Kundendaten Europaweit, dann ist das ein mögliche Grund für die getrennte Erfassung der Hausnummer. In GB z.B. wird die Hausnummer vorangestellt, z.B.

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    Stratford AB12 34CD
    United Kingdom

    Alternativ, sie verwenden Software, der für internationale Verwendung geschrieben wurde.

  5. #5 | Ralf Schmid | 19.03.07, 12:09

    @ Jens
    Das mit dem Sprung, das kann gut sein. Im Zusammenhang mit den Verfassern würde ich das jedenfalls nicht grundsätzlich und für alle Zeiten pauschal ausschließen.

    @ Jakob
    Das ist in der Tat eine verblüffende Möglichkeit. Da kann man wieder mal sehen, dass die Großwirtschaft einfach weitsichtiger ist als Unbedarfte wie unsereins. »Birdsong Avenue« ist übrigens klasse.

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