Die Staatsgalerie Stuttgart ist ein Museum von internationaler Reputation und gehört mit ihrem umfangreichen Bestand an Gemälden und Plastiken vom 14. bis 20. Jahrhundert zu den bestbesuchten Museen in Deutschland. In der ständigen Sammlung sind etwa 800 Kunstwerke zu sehen und die Graphische Sammlung präsentiert in Sonderschauen Werke aus ihrem 400.000 Blätter umfassenden Fundus. Jährlich finden sieben bis acht Ausstellungen statt, die von einem opulenten Führungs- und Veranstaltungsprogramm begleitet werden.
Im Herbst 2000 wurden wir zusammen mit 9 anderen Agenturen zur Teilnahme an einem Konzeptions- und Gestaltungswettbewerb eingeladen, der zum Ziel hatte, die bislang eher handgestrickten Internet-Aktivitäten auf eine der Bedeutung des Hauses angemessene Stufe zu heben und eine ernsthafte Kommunikationsplattform zu etablieren. Die Ausarbeitung des Wettbewerbsbeitrags nahm uns 6 Wochen lang nahezu vollständig in Beschlag, schon deshalb war klar, dass wir gewinnen mussten, alles andere wäre bitter gewesen. Bange war uns allerdings nicht, nach unserer Einschätzung hatten wir am Ende der 6 Wochen ein ausgereiftes, zu Ende gedachtes Struktur-, Gestaltungs- und Umsetzungskonzept auf dem Tisch, das erst einmal getoppt werden wollte. Die Jury – bestehend aus Vertretern des Sponsors DaimlerChrysler, der CD-Agentur SeidlCluss und Mitarbeitern des Museums – konnte dieser Einschätzung erfreulicherweise folgen und beschloss einstimmig, uns den Zuschlag zu erteilen.
Unser Konzept sah vor, das Museum als lebendigen öffentlichen Ort zu präsentieren, Tagesaktualität sollte oberste Priorität genießen. Dem damals beliebten Schlagwort vom »virtuellen Museum« erteilten wir eine klare Absage: Die Website sollte den Museumsbesuch nicht ersetzen, sondern im Gegenteil schmackhaft machen, der Vorbereitung, Hintergrundinformation und Nachbereitung dienen. Dazu sollten avancierte Mittel gewählt werden, um Interessierten unterschiedlichster Prägung ein Höchstmaß an Komfort zu bieten.
Die Website wird von einem leistungsfähigen Redaktionssystem (CMS) gestützt, das wir individuell für die Staatsgalerie entwickelt haben. Dessen Kernstück ist der Veranstaltungskalender, der nicht nur Informationen zum Tagesgeschehen bereithält, sondern auch die zeitliche Zuordnung der Ausstellungspräsentationen organisiert und intelligent mit dem Veranstaltungsprogramm verknüpft. Ein kleines Meisterstück ist uns sicher auch mit dem Online-Shop gelungen, ebenfalls eine von Grund auf maßgeschneiderte Lösung, die in der Museumslandschaft bis heute eine Ausnahmeposition einnimmt.
Der interessierte Besucher dürfte im Informationsangebot kaum etwas vermissen. Sowohl Sammlung als auch Ausstellungen werden ausführlich behandelt und großzügig illustriert, nicht zuletzt findet auch die spektakuläre Architektur des Museums breiten Niederschlag (Fotos und Text der Architekturrundgänge entstammen übrigens größtenteils unserer Feder). Der Aufbau verzichtet bewusst auf »Mätzchen«, er ist bei aller inhaltlichen und technischen Komplexität einfach, logisch und klar. Die nach wie vor steigenden Zugriffszahlen treffen eine deutliche Aussage zur Akzeptanz: im Moment (Mai 2005) kann die Site über 60.000 Besucher pro Monat verzeichnen.
Abseits der Öffentlichkeit gibt es als parallelen geschützten Bereich noch ein Online-Pressezentrum, das ebenfalls CMS-gestützt aufgebaut ist. Die Überlegung, wenigstens Teile der Presseversorgung auf eine Onlineplattform zu verlagern, um damit eine erhebliche Kosten- und Zeitersparnis zu erreichen, hat sich nach anfänglicher Zurückhaltung der Presse bald als richtig erwiesen. Das Pressezentrum berücksichtigt die Bedürfnisse dieser speziellen Zielgruppe (schneller Zugriff, komfortable Recherche, Hintergrundinformation, druckfähiges Bildmaterial) in optimaler Form, eine von der Staatsgalerie durchgeführte Umfrage unter den Benutzern hat ergeben, dass der Pressebereich überwiegend als »einer der besten seiner Art« bewertet wurde.
Nach dem ersten Relaunch im Mai 2001 waren wir keineswegs untätig. Der Umstand, dass jede Ausstellung der Staatsgalerie ein eigenes, unverwechselbares Gesicht erhält, sorgt schon alleine dafür, dass uns – bei sieben bis acht Ausstellungen jährlich – die Arbeit nicht ausgeht. Darüber hinaus erfuhren sowohl die Site als auch das CMS stetige Ausbau- und Verfeinerungsmaßnahmen.
Im Sommer 2004 haben wir der Staatsgalerie einen radikalen Neuanfang vorgeschlagen. Der sollte so aussehen, dass die Site zwar inhaltlich unverändert bestehen bleiben, und auch die Gestaltung nur in Details überarbeitet werden sollte, aber der programmiertechnische Hintergrund ein fundamental anderer sein würde. Mit einer konsequenten Trennung von Inhalt und Form wollten wir eine flexiblere Informationsaufbereitung erreichen, die Site so weit als möglich von Barrieren befreien und Suchmaschinen besser durchdringen. Nicht zuletzt geht mit solchen Maßnahmen auch der Faktor Ökonomie einher, wer schon einmal eine komplexe Website traditionellen Zuschnitts umgestaltet hat, weiß, wovon wir reden.
Neue Browsergenerationen und die stetige Entwicklung von CSS als Präsentationssprache boten eine realistische Chance, den Umstieg ohne gestalterische Abstriche zu bewältigen. Dass er irgendwann passieren musste, war allen klar, interne organisatorische Gegebenheiten legten nahe, ihn jetzt zu vollziehen, und so legten wir im Spätsommer los. Die Erörterung der einzelnen Schritte ist eine ziemlich esoterische Angelegenheit, wenn Sie sich näher dafür interessieren, schicken wir Ihnen auf Anforderung gerne eine umfassende Projektdokumentation als PDF zu, dem Rest wollen wir sie gnädig ersparen. Weihnachten 2004 ging die neue Fassung ohne jedes Getöse online, um in aller Stille ihre Praxistauglichkeit unter Beweis zu stellen, was sie inzwischen mit Bravour geschafft hat. Den vorläufigen Schlussakkord setzten wir Anfang 2005 mit der entsprechenden Brachialbehandlung des Redaktionssystems.
Auch für die Zukunft ist noch Einiges zu erwarten, mehr darüber gibt es aber erst, wenn die Zeit dafür reif ist.