Ja, ja, ja: HTML-Mails sind böse. Jeder, der sich mit der Materie auch nur ein wenig näher beschäftigt, weiß das. Sie führen das Prinzip E-Mail ad absurdum, treiben die Belastung des Netzes ohne Not nach oben, entsprechen keinerlei Standard und sorgen auch sonst für mehr als genug Probleme. Also alles andere als die reine Lehre.
Der Punkt ist, dass sich die Mehrzahl der Menschen für die reine Lehre nicht im entferntesten interessiert und es gibt keinen Grund, ihnen das vorzuwerfen. Zahllose Unternehmen betrachten gestaltete Newsletter als probates Marketing-Instrument und die oft in die Tausende gehende Zahl der Abonnenten, die den Empfang ausdrücklich wünschen, gibt ihnen fraglos recht. Zumal dann, wenn eine reine Textalternative angeboten wird, und sich der Prozentsatz derer, die diese Fassung vorziehen, (in aller Regel) unter 5 Prozent bewegt (auch wenn sich die Quote vorwiegend aus Unwissenheit speisen wird). Also: was tun, wenn ein Kunde ein solches Newsletter-Tool möchte?
Wer schon mit uns zusammengearbeitet hat, weiß, dass wir unsere Auffassungen zwar leidenschaftlich, mitunter auch undiplomatisch darlegen – letzten Endes sind wir aber Pragmatiker und keine fundamentalistischen Prediger. Also haben wir schon – obwohl wir weiß Gott keine HTML-Newsletter mögen – eine ganze Reihe entsprechender Tools produziert. Nicht ohne dem Kunden vorher die Nachteile und Konsequenzen deutlich aufzuzeigen, auch auf die Gefahr hin, einen Auftrag zu verlieren – von dem wir immerhin leben. Unserer Beratungsverantwortung sind wir damit wohl nachgekommen, und wenn der Kunde sich im Wissen um die Nachteile dennoch für den HTML-Newsletter entscheidet, werden wir uns dem Wunsch sicher nicht verweigern.
Nachdem wir die grundsätzlichen Fragen damit hoffentlich geklärt haben, wenden wir uns lieber dem Gegenstand als solchen zu. Idealerweise gibt es ein Backend, mit dem der Newsletter zusammengestellt werden kann. Lassen wir Umfang und Features mal beiseite (Personalisierung, individuelle Konfigurationsoptionen, Bilder/keine Bilder etc.), das ist nicht das Problem. Letzten Endes wird der Inhalt zu einer gewöhnlichen HTML-Seite gepackt, parallel dazu wird die Textfassung als reine Textdatei erzeugt und beides wird – abhängig von den jeweiligen Präferenzen, in einer der beiden Formen verschickt.
Die Textfassung ist weitgehend unproblematisch, was niemand verwundern wird, ist sie doch nichts anderes als eine handelsübliche E-Mail, die der reinen Lehre folgt. Bei der HTML-Fassung empfiehlt sich eine sog. »multiple-part message«, die sowohl die HTML- als auch die Textversion enthält. Das versendete Volumen erhöht sich damit zwar noch weiter, aber viele Mail-Clients bieten entweder eine Umschaltoption oder zeigen die Textfassung automatisch an, falls sie mit der HTML-Version Schwierigkeiten haben. Auch diese Fassung ist weder schwer zu erzeugen noch zu verschicken und theoretisch könnte der Job erledigt sein, wenn sowohl das Zusammenstellen als auch das Verschicken fehlerfrei läuft.
Praktisch fangen die Probleme jetzt erst an. Die haarkleine Auflistung aller Schwierigkeiten wäre eine ziemlich langatmige Liste, beschränken wir uns also auf eine Zusammenfassung der wichtigsten:
head-Bereich, die meisten löschen ihn ersatzlos.body-Bereich stehen, dann bleibt er zumindest teilweise erhalten. Der sicherste Weg ist, den CSS-Block so knapp wie möglich zu halten und den Rest per Inline-CSS zur regeln.margin heißt, während padding akzeptiert wird. Auch Linkfarben sind allenfalls zu bestimmen, indem jeder einzelne Link per CSS eigens eine Farbanweisung erhält, wenn nicht, erscheinen alle im standardisierten »Königsblau«. Unterm Strich ist hotmail.de darstellungstechnisch der mit Abstand übelste unter allen gestesteten Webmailern.body-Tag im HTML, was dazu führt, dass weder CSS-Eigenschaften die für body gelten funktionieren, noch alles, was als »Erben« daran hängt. Was hier knapp zusammengefasst ist, bedeutet in Wahrheit Trial & Error ohne Ende – je nach Komplexität des Layouts schafft man es mühelos, dem Wahnsinn nahe zu kommen. Bis das HTML/CSS an allen Stellen wenigstens so weit passt, dass man nicht mehr von Katastrophen sprechen muss, mutiert es zu einer kruden und umständlichen Mischung aus hoffnungslos veraltetem HTML und Billig-CSS, das sehr umständlich geschrieben werden muss. Im Fall von Lotus Notes ist selbst damit noch Hopfen und Malz verloren.
Fazit also: Falls Sie auf die Idee kommen, einen HTML-Newsletter verschicken zu wollen, überlegen Sie sich das lieber noch mal in aller Ruhe. Und zwar durchaus im pragmatischen Sinne, von der reinen Lehre mal ganz abgesehen.
#1 | The Exit | 10.04.06, 22:26
Ich kriege in Lotus Notes jedoch html Newsletter halbweg ok dargestellt. ICh weiß nicht, was die da machen, damit das bei mir ok aussieht. Ich kenne ja das Orginal vom Designer nicht :-)
#2 | Ralf Schmid | 10.04.06, 22:52
Aha. Zwei Fragen dazu: welche Lotus-Version benutzt Du denn? Und kannst Du bei Gelegenheit mal einen Screenshot mailen? Beides wäre extrem hilfreich. (Wobei die Frage, was eigentlich ursprünglich geplant war, sicher eine zentrale ist – ein bisschen HTML und ein bisschen CSS kann Notes ja zweifellos, nur weit her ist es damit nicht gerade.)
#3 | The Exit | 11.04.06, 15:41
Wir haben hier die Version 6.5
Aber von was soll ich denn einen Screenshot machen? Da müsste ich ja erst mal Euren Newsletter empfangen, oder?
#4 | Ralf Schmid | 11.04.06, 17:17
Wie »unserer« in Lotus Notes aussieht, haben wir schon ausgiebig betrachtet – die Augen schmerzen jetzt noch. Egal, ich schick Dir gleich mal eine Mail mit näheren Instruktionen.
#5 | Michael Bröske | 19.12.06, 08:54
Servus,
mich würde interessieren, wie Sie, als Verfechter der Text Mail, ein brauchbares Tracking sicherstellen wollen. Ich denke, wir sind uns einig, dass e-Mail Marketing ohne Kontrolle wenig Sinn macht.
#6 | Ralf Schmid | 19.12.06, 09:55
Lieber Herr Bröske,
über die Kontrollfrage herrscht Einvernehmlichkeit, ja. Klar ist auch, dass der Pool möglicher Instrumente bei HTML-Mails ungleich größer ist. In der Praxis arbeiten zumindest die von uns entwickelten Tools mit zwei prinzipiell verschiedenen Arten der Auswertung. Die eine prüft, wie oft der Newsletter im E-Mail-Client (oder Webmailer) angezeigt wird, indem beim Aufruf ein wie auch immer gearteter Prozess auf dem Server in Gang gesetzt wird. Die zweite arbeitet weniger technisch als inhaltlich: Der Newsletter bietet nicht die volle epische Breite, sondern verweist zur Vertiefung mindestens stellenweise auf die Website, wo die Zugriffe natürlich einfach gezählt werden können. Wenn Sie beide Methoden vergleichen, liefert die erste selbstverständlich weitaus schmeichelhaftere Zahlen, ob Ihr Newsletter aber freudestrahlend oder genervt zur Kenntnis genommen wird, können Sie immer nur raten. Mit der zweiten Methode – die sich mit Text-Mails ebenso einfach realisieren lässt – können Sie hingegen sicher sein, zumindest soviel Interesse geweckt zu haben, dass der Empfänger nach einer Vertiefung des jeweiligen Sujets verlangt. Wer Marketing nicht als bloße Zahlenschlacht versteht, sondern als Dialog mit Interessierten, wird einräumen, dass diese Zahlen zwar geringer, aber dafür wesentlich wertvoller, weil aussagekräftiger sind.
#7 | Matthias | 15.03.07, 15:20
ich habe auch ein Problem mit Lotus-Mail-Client und HTML-Newslettern.
Hintergrund-Bilder übers css einbinden oder ein ordentliches CSS gesteuertes Layout mit div und li ist kaum möglich. Links sind alle in hässlichem Blau und unterstrichen. Macht wirklich keinen Spass.